| |
Marienhagen
Marienhagen war eines der ersten Dörfer zwischen Sieben Bergen und Ith. An der Paderborner Heerstraße (heute B240), einem der ältesten Verkehrswege Niedersachsens, errichtete man um das Jahr 1000 eine „Heilige Sankt Marienkapelle“ und zwar auf dem „Grünen Hagen“, kurz bevor der uralte Weg den Kamm zwischen Duinger und Thüster Berg erreichte. Wann genau ein Dorf darum entstand, lässt sich nicht belegen. Sicher ist aber, dass um 1130 flämische Einwanderer hier angesiedelt wurden. Diese Siedlung gehörte zu den sogenannten „Hägerdörfern“, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts durch die planmäßige Ansiedlung flämischer Einwanderer im Bergwald (im „Hagen“) entstanden.
Im 13. Jahrhundert wurde ein neues Dorf an derselben Stelle errichtet. Um 1400 wird „Dorhagen“ im Güterregister der Herrschaft Homburg "nebst Vogtei Lauenstein“ erwähnt. Ein Marien-bild, das in der Kapelle aufgestellt wurde und angeblich Wunder wirken sollte, sorgte dafür das „Dorhagen“ zu einem Pilgerort wurde. Nach dem Marienbild wurde der Ort umbenannt, zunächst in „Maria im Hagen“ bzw.. „Maria am Hag“ später dann in „Marienhagen“. Durch seine Lage an der vielbefahrenen Paderborner Heerstraße verlor Marienhagen während des 30jährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 mehr als
33% seiner Einwohner. Wahrscheinlich ging in dieser Zeit auch das Marienbild verloren.
Vom Bäuerlichen Dorf zum Industriestandort
Die Bürger Marienhagens, die während der Reformation 1527–1542 zum lutherischen Glauben wechselten, lebten in ärmlichen Verhältnissen.
1748 bezeichnet der damalige Pastor vonDeinsen und Marienhagen die Menschen als
„mehrenteils arm, sonderlich zu Marienhagen“. das Ackerland beschreibt er als schlecht, es bringe nur wenige Erträge. Zu dieser Zeit konnte man im Ort kaum mehr als 35 Häuser zählen.
Die heute vorhandene Marienkirche wurde in den Jahren 1796–1798 anstelle einer anderen Kirche erbaut. Der Turm, der aus dem 14. Jahrhundert stammt, und auch als Wehrturm genutzt wurde, wurde erneuert und erhöht. Ein großes Kirchenschiff wurde ganz neu gebaut und 1828 noch einmal umgebaut. 1857 wurde eine Furt- wängler- Orgel angeschafft, die heute unter
Denkmalschutz steht. Sie wurde 1998 restauriert und wird seither einmal im Jahr für ein Orgelkonzert,
ansonsten für die Gottesdienste genutzt.
Der noch heute in der Kirche vorhandene Taufstein wurde am 22. April 1656 vom damaligen Pastor Volkro gemeinsam mit einigen Mitbürgern
aufgestellt.
Die altersschwach gewordenen Glocken aus dem Jahr 1433 konnten 1898 gegen zwei neu gegossene Glocken ersetzt werden.
1899 erhielt die Kirche zu Marienhagen die Freude, neue gemalte Fenster ihr eigen zu nennen.
Eines der Fenster wurde von dem Kalkfabrikanten und Kirchenvorsteher Friedrich Rogge geschenkt, und stellt den auferstandenen Christus
dar.
Oben genannter Kalkfabrikant, Friedrich Rogge, sorgte 1872 als junger Maurer dafür, dass Marienhagen einen großen industriellen Aufschwung erfuhr. Er wusste, dass der in den Marienhagener Steinbrüchen gewonnene Kalkstein einen guten Kalk ergab und errichtete in den kommenden Jahren mehrere große Ringöfen. Der gebrannte Kalk wurde, anfangs mit
Fuhrwerken, nach Banteln zur Verladung am dortigen Bahnhof geschickt.
Das ständig wachsende Auftragsvolumen veranlasste Rogge dazu von Marienhagen zur Verladestation
nach Banteln eine Eisenbahn zu bauen. Die Schmalspurbahn (0,82m Spurweite), die auf dem „Sommerweg“ der Landstraße Marienhagen – Eime –Banteln verlief, wurde am 18. August 1892 erstmalig befahren. Sie war bis zum Ende des Kalkwerks 1961 in Betrieb. In den Jahren 1922-1927 war die Kalkbahn als offizielle preußische Kleinbahn zur Personen- und Postbeförderung
im Einsatz.
Als Friedrich Rogge im Mai 1900 im Alter von nur 50 Jahren starb, waren fast 22% der arbeitenden Bevölkerung aus dem Raum Duingen im
Kalkwerk beschäftigt. Nach seinem Tode übernahm die Ilseder Hütte das Werk, die in den kommenden Jahren mit
70% zum größten Abnehmer des Marienhagener Kalkes wurde. Der Kalk wurde zur Stahlerzeugung benötigt, um Unreinheiten im Eisenerz zu binden. Um die im Werk Tätigen sesshaft zu machen entstand in den Jahren 1895-1908 eine
ganze Reihe von Wohnhäusern. Die Werkssiedlung „Rodeland“ mit ihren nahezu identischen Häusern sticht auch heute noch aus dem Ortsbild
hervor.
Umwandlung in einen Ferienort
Im Jahr 1961 legte die Ilseder Hütte das Kalkwerk still, das Werksgelände ging in den Besitz der Firma Rudolf aus Einbeck über.
Dies bedeutete einen tiefen Einschnitt für Marienhagen, denn viele Einwohner kehrten
dem Ort den Rücken. Doch die Bürger der Gemeinde ließen sich nicht entmutigen. Man gründete 1963 einen Verkehrsverein um die Verschönerung des Ortes voranzutreiben. Es wurde günstiges Bauland angeboten, so dass bis 1965 drei neue Wohnviertel entstanden. Die Firma Rudolf stellte der Gemeinde das ehemalige Betriebsgelände im Unterdorf kostenlos zur Verfügung. Hier entstand 1966 das Marienhagener Freibad. Als Dank wurde das Bad nach der Frau des Firmenbesitzers „Elisabeth-Rudolf-Bad“ genannt. 1992-94 konnte das Bad dank der Unterstützung des 1991 neu gegründeten Freibadvereins vor der Schließung bewahrt, renoviert und in ein Familienbad umgebaut werden. Hauptattraktion des neuen Bades wurde die große 35m lange Rutsche. Ein weiteres Schmuckstück ist das Kinderbecken, das von
Familien mit Kleinkindern immer besonders viel Lob erhält. An sonnigen Tagen wird das Bad oft von über 1000 Badegästen, aus dem gesamten Altkreis Alfeld/Leine und darüber hinaus, besucht, die auf der großen Liegewiese aber
genug Platz finden.
Marienhagen ist heute die zweitgrößte Gemeinde der Samtgemeinde Duingen, mit ca. 887 Einwohnern. Um das Vergangene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, und um der Jugend Sitten und Gebräuche und das Leben im „alten“ Marienhagen näher zu bringen, ist im alten Gemeindebüro eine Heimatstube eingerichtet worden. Hier sind neben Gebrauchsgegenständen
aus der Landwirtschaft und ehemaligen Handwerksbetrieben auch Dinge des täglichen
Lebens zu sehen. Auch die Geschichte des Kalkwerkes wird dem Besucher noch einmal vor
Augen geführt. Ebenso sehenswert sind die stillgelegten Steinbrüche, in denen 7 verschiedene, unter Naturschutz stehende, Orchideenarten vorkommen und das wachsame Auge die eine oder andere interessante Versteinerung findet. In der Ortmitte, vor der
arienkirche, befinden sich zwei Naturdenkmäler. Die Waterloo- Eiche, die 1865 zum 50. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo gepflanzt wurde. Und die sogenannte Silber-Eiche, die 1906 zum Gedenken an die Silber-hochzeit des Kaiserpaares gepflanzt wurde. Auf dem Friedhof befindet sich ein Denkmal zu Ehren des Kalkwerkgründers Friedrich Rogge.
Seit einiger Zeit beschäftigt sich der Rentner Heinz Froböse damit, die Waldwege am Kummerbrink,
an denen seit den 80er Jahren nichts gemacht wurde, neu zu gestalten. Herr Froböse hat hier in wenigen Jahren eine gepflegte Anlage geschaffen, die zum Spazieren gehen geradezu einlädt. Er brachte Bänke in Ordnung, erneuerte Treppen und legte Wege frei.
Um seine Arbeit zu würdigen, benannte man den obersten Weg des Kummerbrinks, der zur Schutzhütte führt, in „Heinz Froböse Weg“. Eine Hölzerne Tafel weist darauf hin. Von der Schutzhütte aus hat man an schönen Tagen eine sehr gute Aussicht. Im Norden geht der Blick bis weit hinter die Marienburg, und im Südosten zeichnet sich deutlich der Schornstein der Alfelder
Papierfabrik ab und dahinter der Harz.
In den letzten Jahren wurde ein neues Baugebiet im Unterdorf, an der Tegge, erschlossen. Hier stehen rund 40 Bauplätze zur Verfügung. Durch dieses Neubaugebiet wurde das Ortsbild um zwei Straßen erweitert, den „Teggering“, und der
Straße „Zum Sportplatz“.
| | |
Bürgermeister Rainer Fütterer Rodeland 9 SPD Fraktionsvorsitz
Mitglieder des Gemeinderats
1. stv. Bürgermeister Lothar Schmerse Breslauer Straße 1 SPD Fraktion
2. stv. Bürgermeister Dieter Friedrich Hauptstraße 53 A UWG Fraktionsvorsitz
Lars Patrick Fütterer Rodeland 9 SPD Fraktion
Gotthard Meißner Breslauer Straße 2 SPD Fraktion
Jutta Hölscher Hauptstraße 4 SPD Fraktion
Felix Gniesmer Breslauer Straße 9 SPD Fraktion
Thomas Opitz Kurze Straße 1 UWG Fraktion
Kerstin Stippler Hauptstraße 118 UWG Fraktion
Aktuelles
Terminkalender
| 
|
|